Universum aus Streifen und Balken
Streifenbilder in Eiöltempera auf Leinwand: Damit betritt Heinz Thielen ein ganzes Universum.
Nicht allein durch die waagrechte Ausrichtung der Streifen, die vor dem geistigen Auge naturgemäß Horizonte in der Natur hervorrufen, sondern ebenso durch die Farbgebung fördert der Maler Sichtweisen,die im vertrauten Spektrum von Morgenröten, Sonnenuntergängen oder Gewitterhimmeln ihre Bezugspunkte haben.
Aber: Thielen richtet auch Vertikalen auf in Form breiter Balken, die wie Stelen oder Baumstämme im Bildraum wirken, de facto jedoch keinen Anlass zur gegenständlichenAuslegung geben.
Es sind Stimmungen, die Thielen auszulösen und zu bedienen versteht durch geometrische Strukturen, bestimmte Nachbarschaften von Farben und Formen und den durchgängig hoch-differenzierten Farbauftrag, der seine Malerei kennzeichnet.
Wolkig oder gischtig, anbrandend oder abfließend sind Begriffe, mit denen sich andeuten lässt, was im Auge von entsprechend gestimmten Betrachtern auf den Leinwänden passiert.
Thielen selbst spricht von „Flecken“ und „Streifen“.
Aber: Eine Werkserie betitelt er mit den Worten „Über Kreuz“ (2017), eine frühere Serie trägt den Titel „Kurven“.
Die Abstraktionen erreichen das Unterbewusstsein ähnlich wie etwa Gemälde des Amerikaners Richard Diebenkorn, der sich in teilweise vergleichbar aufgebauten Kompositionen mit dem Licht in Kalifornien auseinandersetzt.
Grundsätzlich lassen sich Thielens Arbeiten im Kontext der amerikanischen Farbfeldmalereirezipieren.
Er versteht es, Emotionen hervorzurufen oder Erinnerungen zu wecken, die im kollektiven Bildgedächtnis verankert sind.
„Wie aus der Ursuppe der Malerei entsprungen“ empfindet Thielens Arbeiten sein Galerist Reinhold Maas, „immer brodelt, flackert und zischt es in diesen Arbeiten, als ob sie sich auf Dauer standhaft weigerten, je wirklich als fertig und tatsächlich getrocknet verstanden sein zu wollen“.
Eine Einladung zur Kontemplation sind sie auch.